Denkmalschutz

Chemiestandort Uetikon

Am Seeufer von Uetikon am See entwickelte sich Anfang des 19. Jahrhunderts eine bedeutende Chemiefabrikanlage – inmitten einer ländlich geprägten Umgebung und ausgehend von einem der ersten chemischen Laboratorien in der Schweiz. Die bauliche Entwicklung erfolgte grösstenteils auf vom Kanton konzessionierten Aufschüttungen. Die Produktionsgebäude aller bedeutenden Entwicklungsphasen der Chemiefabrik und der vielleicht älteste Hochkamin im Kanton Zürich sind als weithin sichtbares Wahrzeichen bis heute erhalten geblieben. In dieser Vollständigkeit hat das Fabrikensemble eine umfassende kultur-, industrie- und architekturgeschichtliche Zeugniskraft.

 

Denkmalpflegerische Beurteilung

Auf Basis diverser Fachgutachten und einer detaillierten Beurteilung der Gebäudesubstanz ist eine Auswahl von Gebäuden getroffen worden, die aus denkmalpflegerischer Sicht zu erhalten sind. Diese Bauten bilden einerseits eine Vielfalt von Bautypen ab, welche die Geschichte und räumlich-bauliche Entwicklung der Chemischen Fabrik repräsentativ abbilden. Andererseits bieten diese Bauten ein tragfähiges Gerüst an historischer Bausubstanz, die unter der Voraussetzung einer sorgfältigen Planung eine städtebauliche Weiterentwicklung des Areals ermöglichen lässt.

 

ISOS

Das Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS) dient als Fachinventar, das im Rahmen der weiteren Planungen als Grundlage bei der Interessensabwägung zu berücksichtigen ist. Es legt die Erhaltungsziele in Bezug auf die räumliche und architekturhistorische Qualität sowie auf die Bedeutung für das Gesamtortsbild fest.

 

Der Wert der Industrieanlage liegt im Sinne des ISOS in der Vollständigkeit der Bautypen und im Zusammenspiel der einzelnen Industriebauten. Die Fabrikanlage erscheint sowohl von der Strasse als auch vom See her gesehen als separater Dorfteil mit charakteristischen Merkmalen und als Wahrzeichen am Seeufer. Für die Ensemblewirkung vom See her sind die ruhigen, langgestreckten Bauten im Vordergrund von besonderer Bedeutung. Im Vergleich zu anderen Uferzonen des Zürichsees fällt insbesondere die hohe Dichte der Bebauung auf. Die Bauvolumen sind durch die historische Existenz eines schnell gewachsenen

chemischen Gewerbes begründet, das grosse Lager- und Produktionsflächen benötigte.

 

Chance Uetikon aus denkmalpflegerischer Sicht

Neben den repräsentativen Fabrikbauten war die Entwicklung von Industriearealen immer einem gewissen Pragmatismus unterworfen – man baute, was der Fertigungsprozess gerade erforderte. Diese Logik kann durchaus fortgesetzt werden. Ein überzeugendes neues Ganzes wird entstehen, wenn die historischen Bauten in der Gebietsplanung von Anfang an berücksichtigt werden. Aufgrund ihrer markanten und prägenden Erscheinung liefern sie den Planern interessante Gestaltungsvorgaben. Ziel ist, die wichtigsten Fabrikbauten zu erhalten, welche die Geschichte und räumlich-bauliche Entwicklung der Chemischen Fabrik in Uetikon am See repräsentativ abbilden.

 

Für die Planung werden unter Einbezug der Denkmalpflege Wettbewerbsverfahren durchgeführt; man wird also verschiedene Projektideen miteinander vergleichen und dasjenige auswählen können, das nebst den betrieblichen und ökonomischen Anforderungen auch ein überzeugendes Gesamtbild anbietet.